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Die kurze Antwort
In Corellis La Folia verändern Violine und Begleitinstrumente gemeinsam einen Tanz portugiesischen Ursprungs. Corelli stellte das Stück ans Ende seiner 1700 veröffentlichten Violinsonaten. Langsame und schnelle Variationen folgen aufeinander; zuletzt erhält die Begleitung schnelle Tonfolgen. Das Werk verarbeitet altes Tanzmaterial und fordert dabei das Können sowohl des Solisten als auch des Begleiters.
Im Detail
Von Portugal über die Iberische Halbinsel
Die Folia ist wesentlich älter als Corelli. Sie stammt aus Portugal; ihre frühesten Beispiele erscheinen im 15. Jahrhundert. Später spielten Musiker sie immer wieder und fügten neue Variationen hinzu. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, zu Corellis Zeit, war sie auch italienischen Musikern vertraut. Hinter dem Komponistennamen der Violinsonate steht somit eine Tanzgeschichte, die Generationen von Tänzern und Musikern weitergegeben hatten.
Die Folia entwickelte sich im späten Mittelalter als populärer Tanz auf der Iberischen Halbinsel. Mit Wurzeln in Portugal verbreitete sie sich auch in Spanien und nahm in der iberischen Instrumentalmusik des 17. und 18. Jahrhunderts einen wichtigen Platz ein. Savall vereinte Folias verschiedener Epochen auf einem Album. Neben Corelli und Marin Marais stellte er Diego Ortiz und anonyme Musik und spielte damit auch Stücke, die schon vor dem Auftreten berühmter Komponisten überliefert worden waren.
Die Besetzung dieses Albums verbindet viele Klänge, die den Tanz begleiten. Savall spielte Viola da gamba; andere Musiker übernahmen Vihuela, Gitarre, Theorbe, Cembalo, Orgel und Harfe. Neben einem Schlagzeuger waren auch Musiker für Kastagnetten und Schellen beteiligt. Gestrichene und gezupfte Saiten, Tasteninstrumente und Schlagwerk brachten unterschiedliche Klänge in die Wiederholungen der Folia ein. In Savalls iberischer Musik treffen somit deutlich vielfältigere Instrumente zusammen als in Corellis Violinsonate.
Dreiundzwanzig Variationen und der Einsatz der Begleitung
Corelli veröffentlichte 1700 zwölf Violinsonaten als Opus 5 und widmete sie Sophie Charlotte, Kurfürstin von Brandenburg. Den Abschluss bildet die d-Moll-Sonate La Folia. Die Sammlung erschien im 18. Jahrhundert in mehr als vierzig weiteren Ausgaben. Sie war bei Menschen gefragt, die Violine lernten; Corellis Schüler Geminiani bearbeitete sie auch für Streicherensemble. Mahinas Mittags- und Abendlisten enthalten Nr. 12 aus op. 5 von einem Album des Purcell Quartet. Das Ensemble nahm dieses Album im Mai 1986 in der Londoner Kirche St. Barnabas auf.

Auf das Thema von La Folia folgen dreiundzwanzig Variationen. Die Violine wechselt zwischen schnellen kurzen Noten und lang geführten Tönen. Corelli setzte langsame Variationen zwischen die bewegten, sodass sich Tempo und Charakter trotz des wiederkehrenden Themas ändern. Am Schluss erhält der Basso continuo rasche Sechzehntel. Diese Begleitweise stützt das Soloinstrument durch Bassmelodie und Akkorde. Weil Corelli zum Ende auch dem Begleiter schnelle Handbewegungen abverlangt, konzentriert sich die Virtuosität dieses Werks auf mehr als den Geiger allein.
Französische Musik zum selben Tanz
1701, ein Jahr nach Corellis Sonate, nahm auch der Franzose Marin Marais eine Folia in seinen zweiten Band für Viola da gamba auf. Der Titel Folies d’Espagne bedeutet spanische Folia. Marais erklärte, dass er den Basso continuo dieser Sammlung sorgfältig ausgearbeitet habe und auch das Stechen der Noten lange gedauert habe. Eine italienische Violinsonate und ein französisches Gambenstück verwendeten somit fast gleichzeitig dasselbe Tanzmaterial. Marais schrieb zweiunddreißig Variationen, neun mehr als Corelli.

Marais nutzte die Möglichkeit der Viola da gamba, mehrere Saiten gleichzeitig zu Akkorden erklingen zu lassen. Er verzahnte Solomelodie und Bassbegleitung und verwendete in einigen Variationen Figuren, die an das Streichen über Gitarrensaiten erinnern. Diese gitarrenartige Gestaltung lässt sich auch mit dem Ursprung der Folia in der iberischen Tanzmusik verbinden. Beim selben Material unterscheiden sich die schnellen Violinfiguren und die vollen Akkorde der Gambe. Marais schmückte den Tanz mit den Saiten und Harmonien seines eigenen Instruments aus.
Ein Schüler zieht von Rom nach London
Francesco Geminiani, Corellis Schüler, vermittelte die Musik seines Lehrers in England. Nach dem Studium bei Corelli in Rom ging er mit siebenundzwanzig nach London und wirkte später auch in Dublin. Seine ersten dort veröffentlichten Ensemblewerke waren Bearbeitungen von Corellis Sonaten statt neue eigene Kompositionen. Corellis Werke waren damals auch in England beliebt. Geminiani verteilte Musik für Solovioline und Begleitung auf die Musiker eines Streicherensembles.

Bei dieser Übertragung arbeitete Geminiani Harmonik und Kontrapunkt aus, die in der ursprünglichen Sonate angelegt waren. Er erweiterte die Beziehungen gleichzeitig bewegter Melodien und verteilte die Musik von Solo und Begleitung auf zusätzliche Streicherstimmen. Mehr Instrumente beteiligten sich damit an Musik, die zuvor ein Solist gespielt hatte. Boston Baroque verwendete bei Geminianis Ensemblewerk in F-Dur Verzierungen aus Corellis ursprünglicher Sonate. Mit diesem F-Dur-Werk und La Folia auf demselben Album spielte das Ensemble zwei Ergebnisse von Geminianis Bearbeitung unterschiedlicher Corelli-Sonaten.
In Geminianis La Folia wechseln eine kleine Solistengruppe und ein größeres Streicherensemble einander ab. Die kleine Gruppe heißt Concertino, die größere Ripieno. Der Dialog von Solovioline und Begleitinstrumenten wurde damit zum Austausch zwischen zwei Gruppen. In seinem Buch über das Spielen von 1749 erinnerte sich Geminiani außerdem, sein Lehrer sei mit der Komposition von La Folia besonders zufrieden gewesen. Corelli, der den portugiesischen Tanz zur Violinsonate machte, und sein Schüler, der die Sonate auf mehrere Streicher verteilte, gaben demselben Thema unterschiedliche Besetzungen.
Vivaldis eigene Folia
Auch Vivaldi gestaltete die Folia als Variationswerk. Es enthält ein Thema und neunzehn Variationen. Die anfangs vorgestellte Melodie bleibt erkennbar, während Rhythmus, Tempo, Dynamik und die Verbindung oder Trennung der Töne wechseln. Bei jeder Wiederholung werden Tonlängen, Lautstärke und Spielgeschwindigkeit neu bestimmt. Mehr als 150 Komponisten schrieben Werke über diese alte Melodie. Die Tätigkeit Corellis, Marais’ und Vivaldis, unterschiedliche Instrumente und Variationszahlen zu wählen, setzte sich später fort.

Vivaldis Folia gehört zu Opus 1, das der venezianische Verleger Giuseppe Sala 1705 herausgab. Die Sammlung umfasst zwölf Triosonaten für das Musizieren in Innenräumen. Vivaldi schloss sie mit der Folia ab, ebenso wie Corelli seine Violinsonatensammlung mit einer Folia beendet hatte. Diese Musik konnte auch bei privaten Zusammenkünften zu Hause gespielt werden. Bekanntes Tanzmaterial wurde so zum Schlussstück einer Kammermusiksammlung für Adelige und Musikliebhaber.
Moderne Streicher, die mit den Füßen stampfen
Die amerikanische Komponistin Michi Wiancko gestaltete Geminianis La Folia neu und übertrug den Streichern auch Schlagwerk und Fußstampfen. Mit col legno, dem Schlagen der Saite mit dem Holz statt den Haaren des Bogens, und sul ponticello, dem Streichen nahe am Steg, veränderte sie zudem die Klangbeschaffenheit. Über den wiederholten Folia-Harmonien wechseln Gesamtensemble und Solisten; kleine Motive werden von einem Musiker an den nächsten weitergereicht. Streicherklänge und die Fußgeräusche der Musiker stehen innerhalb derselben Partitur.
Für eine Aufführung 2021 erstellte Wiancko eine Fassung für elf Musiker. Die Besetzung wurde den Infektionsschutzregeln angepasst und die einzelnen Stimmen neu gestaltet. Von den iberischen Tanzmusikern über Solist und Begleiter in Corellis Sonate, Geminianis zwei Streichergruppen bis zu Wianckos stampfenden Musikern veränderten sich also die Körper und Instrumente, die die Folia gestalten. Mahinas Aufnahme mit dem Purcell Quartet stellt innerhalb dieser langen Geschichte Corellis Variationen für Violine und Basso continuo vor. Auch die schnellen Noten der Begleitung am Ende gehören zu der Aufgabe, die er vorgesehen hatte.
Musik hören bei Mahina
Zu Mahinas Musik gehört Corellis La Folia mit dem Purcell Quartet. Da dasselbe Thema immer wieder verändert wird, können Sie auch beim Hören von nur ein oder zwei Phrasen während des Essens entdecken, wie sich die zuvor gehörte Melodie gewandelt hat.





