In diesem Beitrag
- Wichtiger als die sichtbare Länge sind die erreichbaren Töne
- Warum war eine Rekonstruktion nötig?
- Sabine Meyers Wahl der Bassettklarinette
- Die einfachste Methode, die tiefen Töne tatsächlich zu finden
- Im 2. Satz hört man zuerst den Atem, nicht den Tonumfang
- Wenn dasselbe Werk sich auf einem anderen Instrument neu öffnet
- Die erste Begegnung mit der Bassettklarinette
Die kurze Antwort
Sabine Meyer nahm Mozarts Klarinettenkonzert K.622 auf einer Bassettklarinette auf, deren Tonumfang nach unten über den einer gewöhnlichen A-Klarinette hinausgeht. Das Werk wird sowohl in einer rekonstruierten Fassung für Bassettklarinette als auch in der traditionellen Klarinettenfassung gespielt; in der Rekonstruktion reicht die Melodie bis zu tieferen Tönen. Der Unterschied liegt nicht in einer Rangordnung der Klangfarben, sondern darin, wie weit sich eine Linie ohne Unterbrechung von oben nach unten fortsetzen kann.
Drei Hinweise zum Hören der tiefen Töne
- Zu K.622 werden sowohl die Rekonstruktion für Bassettklarinette als auch die überlieferte Fassung für gewöhnliche Klarinette erforscht und aufgeführt.
- Durch die erweiterte Tiefe der Bassettklarinette kann das Ende einer Melodie nach unten fortgesetzt werden, statt nach oben versetzt zu werden.
- In Sabine Meyers Aufnahme lassen sich Farbe und Atem in den raschen Wechseln zwischen hohem und tiefem Register hören.
Im Detail
Wichtiger als die sichtbare Länge sind die erreichbaren Töne
Die Bassettklarinette besitzt eine längere Röhre und zusätzliche Klappen für tiefere Töne als eine gewöhnliche Klarinette. Sie ist nicht dasselbe Instrument wie das ähnlich benannte Bassetthorn. Beim Hören von K.622 muss man keine Instrumentenklassifikation auswendig lernen; entscheidend ist, dass die Melodie tiefer hinabreichen kann als erwartet.
Tiefe Töne bewirken nicht nur eine „dunklere“ Farbe. Wenn eine hoch begonnene Phrase ihre Richtung nicht wechseln muss, sondern bis in die Tiefe weiterläuft, verändert sich die Grammatik der Melodie. Sie gewinnt die Weite einer Person, die denselben Satz abwechselnd mit hoher und tiefer Stimme spricht.
Warum war eine Rekonstruktion nötig?
Da Mozarts vollständige autographe Partitur nicht erhalten ist, stützt sich die Rekonstruktion für Bassettklarinette auf frühe Druckquellen, die überlieferte Skizze K.621b sowie Ähnlichkeiten von Instrumentenbau und Melodie. Rekonstruierte und traditionelle Fassung werden als eigene Notenausgaben nebeneinander überliefert.
Genauer als die Behauptung, das Original sei vollkommen wiederhergestellt, ist daher: Die Ausgabe rekonstruiert das tiefe Register auf Grundlage der erhaltenen Belege möglichst überzeugend. Auch die traditionelle Fassung besitzt eine lange Aufführungsgeschichte; beide Versionen eröffnen unterschiedliche Deutungen.
Sabine Meyers Wahl der Bassettklarinette
Sabine Meyer spielte das Konzert auf einer Bassettklarinette mit erweitertem tiefem Register. Es begleiteten die Staatskapelle Dresden unter Hans Vonk.
Versuchen Sie nicht, in Meyers Spiel jeden tiefen Ton zu markieren. Hören Sie zuerst, wie nahtlos sie zwischen Höhe und Tiefe wechselt. Vergleichen Sie dann dieselbe Passage in der gewöhnlichen Klarinettenfassung; so wird hörbar, wie der größere Umfang der Bassettklarinette die Richtung der Melodie verändert.
Die einfachste Methode, die tiefen Töne tatsächlich zu finden
Suchen Sie im 1. Satz nach einer Phrase, in der der rasch bewegte Solist plötzlich nach unten sinkt. Passagen, die in der traditionellen Fassung wegen des Instrumentenumfangs nach oben versetzt werden, behalten in der Rekonstruktion ihre Abwärtsrichtung. Ein kurzer Wechsel zwischen beiden Versionen macht den Unterschied am deutlichsten.
Auch im Rondo des 3. Satzes gibt es zwischen den Wiederholungen des hellen Themas weite Sprünge zwischen hohen und tiefen Tönen. Achten Sie nicht nur auf das Gewicht der Tiefe, sondern darauf, ob beide Register demselben Atem angehören; so wird die große Spannweite besser erfahrbar.

Im 2. Satz hört man zuerst den Atem, nicht den Tonumfang
Der 2. Satz von K.622 ist ein Adagio und gehört sowohl zur Rekonstruktion als auch zur traditionellen Fassung. Im langsamen Satz stehen die lange Melodie und die Pause am Phrasenende stärker im Mittelpunkt als die Überraschung tiefer Töne.
Spricht die Klarinette eine Phrase, antwortet das Orchester kurz. Folgen Sie den Atemstellen: Der Klang entsteht und verschwindet nicht plötzlich, sondern ist durch den Luftstrom verbunden. Auch die tiefen Töne der Bassettklarinette wirken am natürlichsten innerhalb dieses langen Atems.
Wenn dasselbe Werk sich auf einem anderen Instrument neu öffnet
Fragen zu Fassung und Instrument sind keine Barriere, sondern ein Grund, ein vertrautes Werk neu zu hören. Sie dürfen die gewöhnliche Klarinettenfassung lieben oder sich in der tiefen Linie der Bassettklarinette wohler fühlen. Entscheidend ist die Freude, den Unterschied im tatsächlichen Klang zu prüfen.
Auch die Klassikgeschichten von Mahina Vegan Table schreiben keine richtige Antwort vor, sondern hinterlassen Fragen für das nächste Hören. Gemeinsam suchen wir neue Unterschiede in vertrauten Werken – wie jenen Moment, in dem ein einziger tiefer Ton Gewicht und Richtung der ganzen Melodie verändert.

Die erste Begegnung mit der Bassettklarinette
- Sind Bassettklarinette und Bassetthorn dasselbe Instrument?
- Nein. Beide haben mit dem tiefen Register zu tun, unterscheiden sich jedoch in Bau, Stimmung und Verwendung.
- Ist Mozarts autographe Partitur des Konzerts erhalten?
- Die vollständige autographe Partitur von K.622 ist nicht überliefert. Die heutige Rekonstruktion beruht auf frühen Quellen und verwandten Skizzen.
- Ist die gewöhnliche Klarinettenfassung falsch?
- Nein. Die traditionelle Fassung wird seit Langem gespielt und steht heute neben der rekonstruierten Version.
- Wie lässt sich der Unterschied am leichtesten hören?
- Hören Sie dieselbe Passage desselben Satzes unmittelbar in gewöhnlicher Klarinetten- und Bassettklarinettenfassung. Vergleichen Sie, ob das Melodieende nach oben versetzt wird oder weiter nach unten sinkt.
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